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Kinderspielplätze – Schlachtfeld der Ideologen

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Rauchverbote auf Kinderspielplätzen sind kinderfeindliche Symbolhandlungen

Eine Warnung vorweg: hier geht es um Kinder, zumindest vorderhand. Bleiben Sie daher kühl und lassen Sie sich nicht von Gefühlen und Instinkten leiten, bis sie zu Ende gelesen haben – nicht nur hier eine gute Empfehlung.

Der baden-württembergische Städtetag plant ein landesweites Gesetz mit dem Ziel: Rauchverbote auf Kinderspielplätzen. Kinder und Jugendliche sind für die Politik nichts weiter als willkommene Vorwände der Erwachsenendisziplinierung. Ansonsten durchaus berechtigte Beschützerinstinkte gegenüber dem Nachwuchs werden regelmäßig schamlos ausgenutzt, um Erwachsene zu einem genormten Verhalten zu zwingen. Keiner dieser Politiker interessiert sich auch nur einen Deut für Kinder, bestenfalls für die eigenen, so vorhanden. Dies lässt sich an diesem geplanten Rauchverbot auf Spielplätzen gut darstellen.

File:Zeichen 136 - Kinder, StVO 1970.svg

Bild: Zeichen 136 - Kinder, StVO 1970.svg

Die Argumente des Städtetages: Vorbildfunktion und Vergiftungsgefahr. Das erste Argument, die Vorbildfunktion, ist nicht nur genauso unsinnig wie das zweite - wie wir später sehen werden-, es auch ist der unverschämt direkte Versuch, erwachsene Menschen zu Soldaten der Tugend umzuerziehen, ein neuer Anlauf, Nietzsches Übermenschen über deutschen Boden wandeln zu lassen.

Was erst harmlos des Weges kommt, entpuppt sich beim Näherkommen als Kreatur der Tiefe, der Tiefe der historischen Müllhalde. Es ist jedermann unbenommen, Kindern, auch fremden, Vorbild zu sein so man dafür ein Bedürfnis verspürt, die Frage ist nur: wofür? Es mag vorbildlich sein, Kindern nahe zu bringen, dass man bestimmte Dinge besser bleiben lässt, wenn man das Erwachsenenalter jemals erreichen will, zum Beispiel Putzmittel zu verköstigen. Lebt man Kindern dagegen Konformismus vor, ist die Lage eine andere, dann könnte Nachahmung böse enden. Davon abgesehen, dass man in kurzer Zeit den Respekt jedes Kindes verlieren wird, sobald es begriffen hat, dass das Vorbild in Wahrheit ein Scheinriese ist; einer, der dem Kind etwas vorspielt, sich aber ansonsten ganz anders verhält. Schlimmer, man vermittelt dem Nachwuchs die kaum wieder gut zu machende Einsicht, es sei nachteilig, den eigenen Charakter, die eigenen Vorlieben und Bedürfnisse offen zu leben. So erzieht man Anpasser, schwache Menschen, die stets einen Anführer brauchen, der ihnen sagt, was sie tun sollen, Menschen, die sich selbst nicht kennen, weil sie nie die Gelegenheit hatten, sich selbst kennen zu lernen, die sich als minderwertig erleben, weil sie das Ideal der Außenwelt nicht erreichen können. Ideale Kandidaten für langjährige Psychotherapien, ideale Befehlsempfänger. Kinder müssen Menschen erleben, keine Konformisten. Menschen, die Ecken und Kanten haben, die die unterschiedlichsten Dinge tun, die sich unterscheiden und die dazu stehen, ohne wenn und aber und ohne schlechtes Gewissen. Jedes aufgeweckte Kind wird schnell heraus finden, was es selbst einmal tun will, welches Verhalten ihm liegt, was es nicht mag und deswegen bleiben lässt. Es geht darum, die Welt in ihrer Vielfalt und Widersprüchlichkeit zu zeigen, als Angebot, nicht als Verbot. Das ärgert jene, die eigenen Entscheidungen anderer misstrauen, es freut alle anderen, die nicht in einer Kaserne leben möchten. Am allerwenigsten brauchen wir staatlich verordnete Vorbildrollen; nichts könnte einer Entwicklung zu einem freien Menschen in einer angeblich freien Gesellschaft mehr im Wege stehen, als eine aufgezwungene Weltanschauung, die jedermann wie ein dressierter Affe überall aufzuführen hat.

Vergiftungsgefahr. Gefahren sind potentiell schädliche Ereignisse, die sich gerade dadurch auszeichnen, dass sie nicht eingetreten sind und womöglich auch niemals eintreten werden. Alle hundert Millionen Jahre trifft statistisch betrachtet ein kilometerdicker Meteorit die Erde und löscht 99,9 % allen Lebens aus, oder auch nicht. Eine Gefahr ist etwas völlig anderes als eine Bedrohung, die ist nämlich konkret: der ungebremste LKW in zehn Metern Entfernung. Bevor also eine Gefahr zu einer Bedrohung auswachsen kann, bedarf es einer gewissen Wahrscheinlichkeit des Eintritts, nämlich einer hohen. So ist es auch in den Polizeigesetzen zur Gefahrenabwehr geregelt: Die Polizei hat bei einer unmittelbar drohenden Gefahr einzuschreiten, nicht bei einer potentiellen. Andernfalls hätte sie viel zu tun, zum Beispiel alle Feuerzeuge zu beschlagnahmen, die ja potentiell gefährlich sind, ganz zu schweigen von vielem anderem. Wie viele Kinder sind also bislang an verschluckten Zigarettenkippen zu Tode gekommen: keines. In einem bestimmten Alter nehmen Kinder schlicht alles in den Mund, um den Gegenstand des Interesses zu prüfen, und manchmal wird auch einer verschluckt. Das kommt bei Kippen etwa 1.500mal pro Jahr vor. In fast allen Fällen kümmert sich der Körper des Kindes selbst erfolgreich um das Problem und scheidet den unerwünschten Gegenstand schlicht wieder aus. Eine Wiederholung des Vorgangs ist aufgrund des schlechten Geschmacks der Tabakreste äußerst unwahrscheinlich, außer bei sehr dummen oder sehr neugierigen Kindern. Der überwiegende Teil dieser Vorgänge passiert zu Hause oder irgendwo auf der Straße. Ein kleiner Prozentsatz auch auf Spielplätzen. Egal wo: Wer Kinder in diesem speziellen Alter unbeaufsichtigt spielen lässt, wer sie überhaupt unbeaufsichtigt irgendwas machen lässt, der kann sicher sein, dass nicht nur Kippen sondern noch sehr viele andere Dinge den Weg in den Verdauungstrakt des geliebten Nachwuchses finden werden. Um welchen Prozentsatz würde also ein Rauchverbot auf Spielplätzen die Verschluckquote senken, so es denn konsequent überwacht würde: gar keinen.

Eine naheliegende greifbare Lösung für dieses Problem, das keines ist für geradeaus denkende Menschen, wäre übrigens: einfach ein paar Aschenbecher aufstellen. Preiswert und effektiv. Diese geniale Erfindung reduziert weggeworfene Kippen um einen dramatisch hohen Prozentsatz.

Apropos Überwachung: Ein Gesetz, das nicht durchgesetzt werden kann, ist natürlich überflüssig wie ein Kropf. Der Städtetag ist noch eine Erklärung schuldig, wie die allzeit klammen Kommunen ein weiteres kontrollaufwändiges Verbot denn durchsetzen wollten. Wir sind gespannt auf die Antwort.

Übrigens lauert da auf so manchem Spielplatz eine echte Gefahr, weggeworfene Spritzen beispielsweise. Da helfen aber weder ein Rauchverbot und ein Spritzenverbot vermutlich auch nicht. Ob das Problem ganz woanders zu suchen ist? Wir fragen mal den Städtetag, falls er Zeit hat, dieser Frage nachzugehen.

Jede Stadt in Baden-Württemberg hat nebenbei bemerkt schon jetzt die Möglichkeit, durch Satzung das geforderte Verbot zu verhängen. Wir wissen nicht, warum es nunmehr noch eines landesweiten Gesetzes bedarf, um etwas umzusetzen, das jede Mitgliedsstadt des Städtetages in eigener Verantwortung längst umsetzen kann, so sie es denn will. Vielleicht haben die Heuchler beim Städtetag keine Lust, sich mit ernstzunehmenden Problemen zu beschäftigen, zum Beispiel mit denen von Kindern? Symbolpolitik ist einfach und bequem und außerdem sind bald Wahlen.

Weiterführende Beiträge:

"Rauchverbot: Durchregulierte Spielplätze" von Christoph Lövenich - NovoArgumente

Artikel auf Rauchernews zum Thema Rauchverbot auf Spielplätzen

"Städtetag will Rauchverbot auf Spielplätzen" - SWR-Fernsehen "Zur Sache Baden-Württemberg" vom 6.3.14

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